Inhalte

EIT ICT Labs

Innovationen im Bereich IKT werden durch EIT ICT Labs erleichtert

Inhaltsverzeichnis

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2005 die Diskussion über den Aufbau eines europäischen Instruments zur Unterstützung der gesamten Innovationskette - von der Idee, einschließlich Forschung, über das Konzept bis zur Umsetzung von Ergebnissen in Innovationen und Produkte - angeregt. Daraus entstanden ist das European Institute of Innova­tion and Technology (EIT), welches im Rahmen der Lissabon Strategie 2008 gegründet wurde. Erstmalig werden durch das EIT auf europäischer Ebene Hochschulbildung, Forschung und Wirtschaft, das sogenannten Knowledge Triangle, integriert (siehe Abb. unten). Dadurch erleichtert das EIT den Transfer

  • von der Idee zum Produkt,
  • aus dem Labor in den Markt und
  • vom Studenten zum Unternehmer.

Um diese Transformationen umzusetzen, werden im Rahmen des EIT sogenannte KICs (Knowledge and Innovation Communities) für strategisch bedeutende Themen in Europa aufgebaut. Zu den ersten drei KICs, die 2010 gegründet wurden, gehören:

  • das Climate-KIC, welches sich mit dem Klimawandel beschäftigt,
  • das KIC InnoEnergy, für Themen zur nachhaltigen Energiegewinnung und
  • die EIT ICT Labs für Innovation im Bereich Informations- und Telekommunikationstechnologie

Weitere Themen-spezifische KICs können in Zukunft vom EIT ausgewählt werden.

Die KICs werden finanziell vom EIT mit bis zu 25 % ihres Budgets unterstützt. Die weitere Finanzierung verteilt sich auf mehrere Säulen: Dazu gehören EU-Mittel (neben Mitteln des EIT ist weitere Unterstützung durch das Europäischen Rahmenprogramm möglich), nationale und regionale Unterstützung und Investitionen von industriellen Partnern. Die Laufzeit beträgt sieben Jahre, die sich aber bei erfolgreicher Evaluierung verlängern kann.

Knowledge-Triangle der EIT ICT Labs

EIT ICT Labs - Mission und Umsetzung

Das KIC für den Bereich IT, die ICT Labs, haben sich als Aufgabe gesetzt, Europa weltweit führend im Bereich IKT-Innovationen zu machen. Dazu haben sich mehr als 50 europäische Partner - bestehend aus Forschungsinstituten, Universitäten, Industriepartnern (einschließlich KMU) und Investoren (private Investoren/Venture Capital) - in den ICT Labs zusammengeschlossen um 13 Themen in den sogenannten Action Lines (siehe Abb. Seite 13) zu bearbeiten. In den Action Lines können Projekte mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen umgesetzt werden. Diese basiert auf den Trägerprojekten, den Carriern, welche die Grundlage für Projekte innerhalb der ICT Labs bilden. Carrier können z.B. FuE-Projekte aus Wissenschaft und Industrie oder deren Ergebnisse sein, die man in Anwendungen oder Produkte überführen möchte. Je nach Carrier werden die Projektziele mit Hilfe von sogenannten Catalysts umgesetzt, den Instrumenten zur Realisierung. So unterschiedlich die Carrier und deren Ziele sind, so variantenreich sind auch die Catalysts. Sie können z.B. bei Standardisierungsprozessen untersützen, sie helfen Test-Beds, Testing Plaformen und Simulation Tools (weiter)zuentwickeln, die Catalysts unterstützen bei der Erstellung von Businessplänen und übernhemen strategisches Coaching für Start-ups, können aber ebenso Trainings- oder Öffentlichkeitsarbeit umfassen. Die Projektpartner wählen die für ihre Ziele relevanten Catalysts aus oder helfen, neue Catalysts aufzubauen. Wichtig ist, dass bei allen von den ICT Labs unterstützten Maßnahmen mehr als ein Punkt des Knowledge Triangle (Forschung, Wirtschaft, Ausbildung) abgedeckt wird.
Die Aktivitäten generieren die EIT ICT Labs aus dem Partnernetzwerk heraus. Art und Inhalte dieser Aktivitäten werden von den Partnern bestimmt und sind auch teilweise für Interessenten außerhalb des Netzwerks über Calls for Action offen.

Organisation und Aufbau

Geografisch sind die Niederlassungen der ICT Labs in sechs europäischen Städten, den Nodes, angelegt (Berlin, Eindhoven‚ Helsinki, Paris, Stockholm, Trient). Die Nodes ermöglichen die Verknüpfung von europäischen Kompetenzen und Nutzung von Synergien der verschiedenen Standorte und widmen sich, je nach beteiligten Partnern, verschieden Schwerpunkten. Vom Berliner Node aus werden z.B. die Action Lines Smart Energy Systems (durch die Siemens AG), Intelligent Mobility and Transportation Systems (durch das DFKI) sowie Cyber-Physical System (durch die TU München, siehe Interview mit Holger Pfeifer) betreut.
Organisatorisch wird jeder Standort von einem Node Director, der für das Tagesgeschäft verantwortlich ist, geführt. In Deutschland werden die EIT ICT Labs durch die EIT ICT Labs Germany GmbH in Berlin unter Geschäftsführung von Dr. Udo Bub betreut. Des Weiteren wird jeder der drei Punkte des Knowledge Triangle von einem Direktor betreut. Diese Funktion hat für den Bereich Business Klaus Beetz, Siemens AG und SafeTRANS-Vorstandsmitglied, inne. Als Business-Direktor der EIT ICT Labs ist er verantwortlich für die Kontakte zur Industrie und für die Beschleunigung der Transformation von Ideen und Technologien in Produkten, Lösungen und Services. Für Siemens und Safe­TRANS ist er der Hauptansprechpartner für EIT ICT Labs.

Weitere Informationen finden Sie unter:  www.eitictlabs.eu

Schematische Darstellung der Verknüpfung des EIT mit den ICT Labs sowie inhaltlicher Aufbau der ICT Labs

Interview mit Dr. Holger Pfeifer, Leader der Action Line Cyber Physical Systems (CPS), EIT ICT Labs

Dr. Holger Pfeifer, TU München

Herr Pfeifer, können Sie bitte kurz die ­Action Line CPS beschreiben?
In der acatech-Studie agendaCPS wurden die Herausforderungen und das hohe Innovationspotential von Cyber-Physical Systems aufgezeigt, welche durch die Action Line CPS aufgegriffen und genutzt werden sollen (Anmerk.: Mehr über agendaCPS in SafeTRANS News 2/2010). Die Action Line CPS  verfolgt drei Hauptziele: Erstens soll die ingenieurmäßige Entwicklung von CPS vorangebracht werden, die den gesamten Lebenszyklus  - vom Design, der Entwicklung über die Anwendung bis hin zur Evolution solcher Systeme - abdeckt.
Zweitens wollen wir internationale Forschungsagenden für Industrie, Wissenschaft und Politik anstoßen um CPS über nationale Grenzen hinaus und Industriedomänen-übergreifend aufbauen zu können. Die Hebung von CPS auf europäische Ebene beinhaltet u.a. abgestimmte Architektur- und Kommunikationsstandards, ebenso wie Plattformen für Integration und Tests. Dafür ist wiederum eine durchgängige Strategie mit Methoden, die das CPS-Engineering auf wissenschaftlich basierter Grundlage verankert, nötig. Beide genannten Ziele, die Abdeckung des gesamten Entwicklungsprozess sowie die Entwicklung von Forschungsagenden sind daher eng miteinander verknüpft.Das dritte Ziel betrifft den Ausbildungssektor. Wir möchten dazu beitragen, dass die stark interdisziplinären Wissensgrundlagen für den Aufbau von CPS integriert vermittelt werden und in zukünftige Curricula Eingang finden.

Können Sie an einem Beispiel der Action Line CPS die Projektunterstützung durch die ICT Labs darstellen?
Als Beispiel möchte ich ein Projekt heranziehen, welches Wireless-Sensor-Netzwerke für CPS ausbaut. Bei diesem seit neun Monaten laufenden Projekt ist der Carrier, die Projektgrundlage also, eine Reihe von WSN-Testbeds, welche die Partner aus Berlin, Stockholm und Trient zur Verfügung stellen. Die Herausforderung besteht darin, die Testbeds so zu erweitern, dass sie den Anforderungen verschiedener CPS-Anwendungen gerecht werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der ICT Labs?
Die ICT Labs sind ein noch sehr junges Instrument und ich hoffe, dass sie ein sehr erfolgreiches werden. Ich wünsche mir, dass wir viele Innovationen umsetzen können, die sich z.B. in Spin-offs und der Unterstützung von KMU niederschlagen. Wir wollen helfen, marktfähige Produkte und Dienstleistungen auf den Weg zu bringen.