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OpenETCS soll Zugsicherung interoperabel, sicher und bezahlbar machen

ETCS (European Train Control Sys­tem) soll in Europa rund 30 teilweise veraltete Signal- und Zugsicherungssysteme ablösen und mit mehr „Intelligenz“ auf den Fahrzeugen die Streckenausrüstung vereinfachen. Man verspricht sich von ETCS die Überwindung nationaler Schranken, mehr Wettbewerb und insgesamt geringere Kosten für das System Bahn. Mehr als 20 Jahre nach Projektbeginn und nach rund 10 Jahren Produktentwicklung gibt es in Europa zwar rund 4.000 km Strecke mit ETCS-Ausrüstung, aber noch kein einziges ETCS-Fahrzeuggerät, das auf allen Strecken zugelassen werden konnte, obwohl eine detaillierte technische Spezifikation (SRS) - was einzigartig ist - öffentlich zugänglich ist. Die Gründe dafür sind vielfältig: Hohe Komplexität eines multinationalen Systems, aber keine anerkannte Referenzimplementation; eine interpretierbare (Prosa-)Spezifikation, kombiniert mit Human Factors und nationale Besonderheiten führen zwangsläufig zu Abweichungen.
Mit Hilfe des Projekts openETCS soll sich dies ändern. Dabei wird ein neues Konzept namens open Proofs eingesetzt. Open Proofs ist als Erweiterung von Free/Libre Open Source Software (FLOSS) für kritische Systeme zu verstehen. Es werden nicht nur die Software der Endprodukte (hier ETCS-Bordgerät) als FLOSS lizenziert, sondern auch alle Werkzeuge und Dokumente, die für Spezifikation, Entwicklung, Betrieb und Wartung erforderlich sind, einschließlich der formalen (Sicherheits-)Nachweise, kurz „Proofs“ genannt. Die FLOSS-Lizensierung aller Komponenten hat einen stark standardisierenden Effekt und unterstützt vorwettbewerbliche Ko­operation (Open Source Konsortium). Kombiniert mit weltweiten Experten-Peer-Reviews („viele Augen-Prinzip“) erwartet man höhere Qualität, im Sinne von mehr Zuverlässigkeit, bei gleichzeitig sinkenden Kosten.

Das Prinzip: Aus formaler Spezifikation mit FLOSS-Werkzeugkette generierte und formal verifizierbare SW erfordert ein Standard-API (Application Programming Interface), um auf EVCs (European Vital Computer) unterschiedlicher Hersteller eingesetzt werden zu können.

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit zwölf Partnerorganisationen aus Deutschland und weiteren 26 europäischen Partnern wird im ITEA2-Programm vom BMBF mit 4,5 Mio. Euro über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Das Projekt startet im Juli 2012 und wird von der Deutschen Bahn AG geleitet.
www.openetcs.info
Ansprechpartner:
Dr. Klaus-Rüdiger Hase:
klaus-ruediger.hase@deutschebahn.com